
Die Briefmarkengalerie
tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
in
English.
Nach dem Verlassen der
Tschechoslowakei war in Seizingers wechselvoller Berufskarriere Belgrad die
nächste Station, wo er spätestens im November 1938 eintraf. Der Beleg hierfür
ist eine Ansichtskarte vom 24. November 1938 an seinen Prager Freund Jaroslav
Goldschmied. Der Inhalt dieser Karte zeigt, dass es ihm nicht ganz leicht fiel,
in der neuen Umgebung Fuß zu fassen. So schreibt Seizinger, dass es an seiner
neuen Wirkungsstätte nichts zu kaufen gebe, was er für Graphiken brauche. Da ihm
Goldschmied beim Verlassen Prags offenbar Hilfe beim Aufbau einer neuen Existenz
im Ausland versprochen hatte, bat er ihn, die Hilfsmittel für seine graphische
Arbeit zu besorgen. Gleichzeitig scheint er auch dem Leiter der staatlichen
Aufsichtsbehörde für die Druckerei Unie, Janas, geschrieben zu haben, der ihm
Metallplatten für seine Stiche besorgen sollte, was er ebenfalls auf der Karte
erwähnt.
Es sollte sich aber bald zeigen, dass der Aufenthalt in Belgrad
nur ein kurzes Intermezzo in seiner beruflichen Karriere sein sollte. Zunächst
dauerte es fast ein Jahr bis von Seizinger wieder eine Briefmarke veröffentlicht
wurde. Am 6. September 1939 - also kurz nach Beginn des zweiten Weltkriegs -
erschien ein Briefmarkensatz mit insgesamt 4 Schiffsmotiven aus seiner Feder.
Nach seinen eigenen Aussagen sind dies "die ersten Marken in Kupferstich auf dem
Balkan".
Ein zweiter Satz mit zwei Motiven aus Zagreb folgte am 16. März
1941. Diese sollten aber bereits die letzten Marken Seizinger für Jugoslawien
sein und ihre Geschichte dokumentiert die turbulenten Tage der Besetzung
Jugoslawiens durch das Deutsche Reich und Italien sowie die Gründung des neuen
kroatischen Staates. Denn die Marken wurden nicht nur die letzten Ausgaben
Jugoslawiens, sondern gleichzeitig die ersten des neuen Staates Kroatien. Die
beiden Werte waren als Zuschlagsmarken zur Finanzierung der vom 16.-24. März
1941 geplanten Briefmarkenausstellung in Zagreb vorgesehen. Parallel dazu
sollten die Marken mit vertauschten Farben auch für die vom 13.-20. April 1941
geplanten Ausstellung in Slovanski Brod erscheinen. Genau zwischen den beiden
Terminen lag - nach der Besetzung des alten Jugoslawien - am 10. April die
Unabhängigkeitserklärung Kroatiens. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzung
wurde die Ausstellung in Slovanski Brod abgesagt und die 80.000 gedruckte Marken
wurden an das Zentralpostamt in Zagreb abgegeben, wo sie verkauft werden durften
- entweder zur Nutzung in der Provinz um Zagreb oder mit einem Überdruck der
neuen Staatsbezeichnung in Kroatien. Insgesamt wurden 56.000 mit dem goldenen
Aufdruck "Nezavisna Država Hrvatska" (Unabhängiger Staat Kroatien) überdruckt,
der Rest existiert in der Originalform. Es kamen jedoch relativ wenige Marken in
den tatsächlichen Umlauf, weil die Behörden bald die Verkaufsaktion stoppten und
die Gültigkeit der Marken bis zum 1. Juli 1941 begrenzten.
Seizingers
für Jugoslawien gestochene Briefmarken setzten eine Besonderheit fort, die
bereits die meisten seiner tschechoslowakischen Briefmarken kennzeichnete. Er
versteckte im Markenbild sein Stecherzeichen, meist ein großes "S", manchmal
auch seine Initialen "KS". Auf der obigen Abbildung, die einen vergrößerten
Ausschnitt der rechts im Original gezeigten jugoslawischen Briefmarke mit dem
Steintor in Zagreb (MiNr. 437) zeigt, findet man das große "S" beispielsweise
neben einem Fenster (durch den Kreis gekennzeichnet). Im Unterschied zu früher
signierte Seizinger sowohl in Jugoslawien als auch später in Kroatien meist aber
nur eine einzige Marke eines Schalterbogens. So findet sich das hier gezeigte
Beispiel nur auf der 6. Marke eines jeden Bogens. Selbstverständlich sind diese
so "signierten" Marken äußerst gesucht und natürlich auch wertvoll. Falls Sie
sich den Spaß machen wollen, Seizingers Stecherzeichen in seinen Briefmarken zu
finden, kann Ihnen die Übersicht im 4. Teil des Katalogs
der Seizinger-Marken behilflich sein.