Lediglich sechs Jahre arbeitete Bohumil Heinz für die tschechoslowakischen Postbehörden und nur gut 30 Briefmarken stammen
von ihm aus dieser Zeit. Diese kurze Zeit aber reichte aus, um ihn unsterblich zu machen. Als er im Jahr 1940 plötzlich und unerwartet starb, wurde sehr bald
deutlich, dass mit seinem Tod eine ganze Epoche in der Entwicklung der tschechoslowakischen Briefmarken- und Stecherkunst abrupt zu Ende ging.
Dies kam nicht nur in vielen Nachrufen auf ihn zu Ausdruck, sondern wurde sehr bald offensichtlich, als die damalige Postverwaltung des Protektorats
immer öfter auch auf deutsche Entwerfer und Stecher ihrer Briefmarken zurückgriff. Erst nach der Wiederherstellung der Tschechoslowakei wurde diese
von Karl Seizinger begründete und von Bohumil Heinz zu erster Blüte geführte Tradition nach dem Krieg wieder aufgegriffen
und fand dann in Jindra Schmidt ihre Fortsetzung und einen weiteren Höhepunkt.
Bohumil Heinz' Bedeutung in der Entwicklung der tschechoslowakischen Stecherkunst liegt zunächst einmal darin, dass er eigentlich der erste in Böhmen geborene
Briefmarkenstecher überhaupt war, der maßgeblich diese Schule beeinflussen konnte (obwohl auch er einen typisch deutschen Namen hatte).
Zwar stammen die ersten Versuche von Eduard Karel, bestimmend waren aber bis zum Auftauchen von Heinz
deutschsprachige Künstler wie Karl Wolf oder Karl Seizinger oder auch der österreichische Stecher Ferdinand Schirnböck (1849-1930), von dem zwar keine
tschechoslowakischen Briefmarken stammen, der aber über seine Zusammenarbeit bei Banknoten
Max Švabinský in dessen Vorstellungen über Briefmarkengestaltung maßgeblich beeinflusste. Die Stunde
von Bohumil Heinz schlug erst, als Ferdinand Schirnböck gestorben war und eine gewisse Unzufriedenheit mit den Arbeiten von Wolf und Seizinger sich in der
Postbehörde breit machte. Begeistert wurde bereits seine erste Briefmarke aufgenommen und vor allem die darin sich ausdrückende stecherische
Präzision gelobt, die so bezeichnend für alle Arbeiten von Bohumil Heinz ist. Er galt als Perfektionist und erstellte als Vorlagen für seine
Linienzeichnungen und Stiche oft selbst Modelle, an denen er durch Drapierung von Haaren oder Kleidung die ideale Ansicht ausprobierte.
Er gab seine Arbeiten nicht eher ab, als bis für ihn auch die letzte
Einzelheiten befriedigend war. Dies führte häufig dazu, dass er ohne Unterbrechung - auch Nächte hindurch - arbeitete, was sich letztlich
auf seinen Gesundheitszustand auswirkte und möglicherweise auch zu seinem frühen Tod führte. Kurz vor seinem Tod erreichte er aber nochmals
höchste Anerkennung, als er im Jahr 1938 den Entwurf von Max Švabinský mit einer Allegorie der Republik zum 20. Jahrestag der Staatsgründung
stechen durfte und dadurch endlich auch die Bewunderung des großen Meisters fand, der in einem Nachruf über Heinz schrieb:
"Byl na nejlepší cestì státi se svìtovým rytcem známek, jako byl Schirnböck svìtovým rytcem bankovek."
(Er war auf dem besten Weg, ein weltberühmter Briefmarkenstecher zu werden, so wie Schirnböck ein weltberühmter Banknotenstecher war)
Noch heute gelten für viele die Briefmarken von Bohumil Heinz als der Höhepunkt tschechischer Stecherkunst. Allerdings gibt es auch eine
Reihe kritischer Auseinandersetzungen mit dem Heinzschen Werk, die vor allem anmerken, dass er aus dem nationalen Blickwinkel heraus auch
in vielerlei Hinsicht überbewertet wurde. Insbesondere seine Rivalität mit seinem Vorgänger Karl Seizinger wurde oft zum Ausgangspunkt genommen,
um in dieser künstlerischen Auseinandersetzung auch ein Symbol des Konflikts zwischen Deutschen und Tschechen (insbesondere in den turbulenten 30er Jahren)
generell zu sehen. Vergessen bzw. nicht erwähnt wird dabei aber meist, dass Heinz nach der Besetzung der Tschechei problemlos für die deutsche
Postverwaltung in Böhmen und Mähren arbeitete. Nichts desto weniger gilt Heinz in der Tschechischen Republik heute noch als ein gewisser Nationalheros,
der letzlich die künstlerische Entwicklung der tschechischen Stecherschule erst möglich machte.
Es ist daher nicht überraschend, dass man ihm auch Briefmarken widmete. So ehrte ihn die tschechoslowakische Post zu seinem
90. Geburtstag im Jahr 1984 mit seinem Porträtauf einer Sondermarke, die oben zu sehen ist. Im Jahr 2000 wurde Heinz ein zweites
Mal zu seinem 60. Todestag geehrt. Die von ihm gestochene Kindermarke aus dem Jahr 1938, auf der Präsident Masaryk mit einem Kind abgebildet ist, war -
neu gestochen von Bedøich Housa - das Motiv der alljährlichen Tradice-Serie. Informationen
über diese Marke hier in der Galerie.