
Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
in English.Den Höhepunkt seines künstlerischen Schaffen erreichte Karl Seizinger bereits auf seiner zweiten beruflichen Station in
der Tschechoslowakei. Noch heute besitzt er dort ein ausgesprochen hohes Ansehen. Im Jahr 1924 übersiedelte Seizinger
von Helsingfors nach Prag, um eine Anstellung als Stecher bei der Nationalbank der Tschechoslowakei zu übernehmen.
Zunächst stach er dort wie in Finnland ebenfalls Banknoten, z.B. eine, der ein Entwurf von Alfons Mucha zugrunde lag. Seinen ersten Auftrag für Briefmarkenstiche erhielt er für die
Marken der Dauermarkenserie "Hrady, mìsta, krajiny" (Burgen, Städte, Landschaften), Themen und Motive, die ihm ganz besonders
lagen wie die weiter unten dargestellten Seizinger-Zitate belegen. Die ersten Ausgaben dieser Dauermarkenserie erschienen am
1. Juni 1926 und wurden wie auch seine späteren Stiche sowohl von den Sammlern als auch der philatelistischen Fachpresse
begeistert aufgenommen. So schrieb beispielsweise die Zeitschrift "Die Briefmarke" über Seizinger im Jahr 1929:
"Briefmarken sind die Visitenkarten eines Staates. Die gegenwärtigen Visitenkarten der Tschechoslowakischen Republik gehören
mit zu den schönsten der Welt. Das Verdienst daran gebührt in erster Reihe dem Schöpfer Karl Seizinger, nicht zuletzt aber auch
jenen weitblickenden Faktoren in der Tschechoslowakei, welche es, frei von aller Engherzigkeit, verstanden haben, einen so
hervorragenden Künstler ins Land zu rufen und ihn mit der Herstellung der staatlichen Wertzeichen zu betrauen."
Bis zum Jahr 1934 stach Karl Seizinger sämtliche Briefmarkenausgaben der Republik, unter ihnen auch das hier abgebildete
Motiv der Prager Burg, das er nach einer Vorlage des bekannten tschechischen Graphikers T. F. Šimon ausführte.
Wie Seizinger selbst seine Arbeit an dieser Briefmarke sah, sollen die folgenden Zitate etwas beleuchten.
HRADÈANY A KARLÙV MOST V PRAZE (Hradschin und Karlsbrücke in Prag) Linienzeichnung von Karl Seizinger ausgestellt im Stadtmuseum Hildburghausen
Originalbriefmarke nach einem Entwurf von T. F. Šimon Ausgabedatum: 19. Oktober 1926, MiNr. 253 |
Zitate von Karl Seizinger über das Stechen von Städtebilder und Landschaften (u.a. zur nebenstehenden Marke) alle Zitate aus dem Begleitheft des Stadtmuseums Hildburghausen zur kleinen Ausstellung über Karl Seizinger "Für Städteansichten und Landschaften hatte ich immer eine besondere Vorliebe, habe ich doch mehr als 65 Briefmarken graviert und darüber hinaus eine Vielzahl Entwürfe." "Einmal hatte ich das Prager Panorama mit dem Hradschin zu gravieren. Die Ansicht zeigte mehr als 100 Fenster, eine Vielzahl an Nebengebäuden und Schornsteinen, die bei einer Verkleinerung die optische Harmonie gestört hätten. Ich gravierte etwa 30 Fenster und weniger Gebäude, der Gesamteindruck blieb trotz der Reduzierung erhalten. Der Graveur hat also die gleiche Aufgabe wie ein Dirigent, der ein Orchester zusammenhalten muss, damit es, fein abgestimmt, zur vollen Wirkung kommt." "Wenn ich eine Landschaft graviere, fange ich bei den am weitesten entfernten Partien an. Damit eine plastische Wirkung entsteht, werden die Gebäude, Gebirge usw. immer stärker. Je feiner die entferntesten Partien und je tiefer der Vordergrund gestochen werden, desto plastischer, effektvoller ist die Wirkung. Die Perspektive muss im wahrsten Sinne des Wortes erfühlt werden. Es gibt Landschaften, die wirken bleich, weil Vorder- und Hintergrund gleichsam dünn gestochen sind, diese haben dann die Wirkung einer grauen Bleistiftzeichnung. Luft und Wolken bereiten große Mühen, müssen doch alle feinen und unterbrochenen Linien mit freier Hand gestochen werden." |