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Eine unbekannte Seite von Alfons Mucha

Alfons Mucha und seine Briefmarkenentwürfe


Mucha-Porträt
Alfons Maria Mucha (1860-1939)
Briefmarke der Tschechoslowakei
zum 100. Geburtstag (1960)
entworfen von Max Švabinský
gestochen von Jindra Schmidt
Úèelem mého díla nikdy nebylo boøit,
ale vždy stavìt, klást mosty, nebo nás všechny musí
živit nadìje, že celé lidstvo se sblíží, a to tím snáze,
dobøe-li se pozná navzájem.


Der Zweck meines Werkes war niemals zu zerstören,
sondern immer aufzubauen, Brücken zu bauen,
denn wir alle müssen die Hoffnung am Leben halten,
dass die ganze Menschheit sich näherkommt,
und zwar am leichtesten dadurch,
dass man sich gegenseitig kennenlernt.


Einleitung

Alfons Mucha, geboren am 24. Juli 1860 im kleinen mährischen Ort Ivanèice (heute Tschechische Republik), gilt als einer der bedeutendsten Künstler des Jugendstils. Als Vertreter dieses Stils wurde Mucha bekannt durch seine Plakate (insbesondere für Sarah Bernhardt in den Jahren ab 1894, das bekannteste davon "Gismonda"), durch die sogenannten "panneaux décoratifs", aber auch durch eine ganze Reihe von Gebrauchs- und Werbegraphiken (z.B. "Job", "Bières de la Meuse"). Weniger bekannt dürfte sein, daß zu diesen Gebrauchsgraphiken mehrere Briefmarkenentwürfe gehören für die Post des 1918 auf dem Boden seiner Heimat neu gegründeten Staates, der Tschechoslowakei. Die Post der Tschechoslowakei hat im Laufe der Jahre dieser Tatsache mehrfach dadurch Rechnung getragen, dass sie Gedenkmarken zu Alfons Mucha herausgab. Eine dieser Marken, entworfen von einem der bekanntesten tschechischen Künstler, Max Švabinský, ist oben zu sehen. Neben Gedenkmarken wurden außerdem eine Reihe von Mucha-Gemälden auf Briefmarken veröffentlicht. Die vorerst letzte Marke mit einem Mucha-Gemälde "Bruneta", gestochen von Bedøich Housa, stammt von Ende 2000 und ist rechts abgebildet. Auf dieser website möchte ich daher allen, die an Alfons Mucha Interesse haben oder denen seine Bilder gefallen, diese weniger bekannte Seite des Künstlers etwas nahebringen. Für alle Spezialisten habe ich eine komplette Liste der Mucha-Briefmarken zusammengestellt.

1. Muchas erste künstlerischen Erfolge

Nach seiner Jugend, die er in Südmähren verbrachte, lernte Mucha in Mikulov (Niklasburg) seinen späteren, langjährigen Mäzen, den Grafen Khuen-Belassi, kennen. Dieser unterstützte Muchas Kunststudium, das er 1884 in München begann und ab 1888 in Paris fortsetzte. Während dieser Zeit entstehen zunächst Arbeiten, die vorwiegend der akademischen Historienmalerei verpflichtet sind, sowie erste Illustrationen für Zeitschriften. Zum Jahresende 1894 entwirft Mucha mit "Gismonda" sein erstes Plakat für die Schauspielerin Sarah Bernhardt und findet seinen eigenen Stil, den sog. "style Mucha". Der Erfolg bringt ihm einen Vertrag über 6 Jahre Zusammenarbeit mit der Schauspielerin ein. 1896 entsteht dann neben zahlreichen Plakaten der Zyklus "Jahreszeiten" als erste Serie der sogenannten "panneaux décoratifs" (siehe dazu das nächste Kapitel).

Insgesamt 5 Motive aus den "panneaux décoratifs" veröffentlichte die Post der Tschechoslowakei als Serie, gestochen von Jiøí Švengsbír, am 14. Juli 1969, dem 30. Todestag Muchas. Das nebenstehende Motiv zu 2.40 Kronen zeigt die Motive "Rubin" und "Amethyst" aus dem Zyklus "Edelsteine" (pierres précieuses).

2. Die "panneaux décoratifs"

Panneaux décoratifs sind Kompositionen, die in der Regel auf starkem Papier oder Seide gedruckt waren und als Dekorationen von Wandschirmen (daher der französische Name) verwendet wurden. In den zumeist als Viererfolgen konzipierten Serien treten weibliche Gestalten als Personifikation von Begriffen und Gegenständen auf. U.a. symbolisieren sie Jahreszeiten ("les saison"), Blumen ("les fleurs"), Edelsteine ("les pierres précieuses") oder Sterne ("les étoiles"). Eine der bekanntesten Serien Muchas, aus dem die drei gezeigten Briefmarkenmotive (Malerei, Musik, Tanz) stammen, ist der Zyklus "les arts" (die Künste). Er entstand 1898 mit vier Einzelmotiven (neben den gezeigten noch Poesie), denen ein einheitliches Gestaltungsschema zugrunde liegt. Das Motiv "Tanz" wurde möglicherweise durch die amerikanische Tänzerin Loie Fuller (1862-1928) mit ihrem exzentrischen Schleiertanz beeinflusst, die zur Zeit Muchas in Paris viele Künstler anregte.Ging Mucha bei der überwiegenden Zahl seiner Kompositionen von einer eher statischen Figurenauffassung aus, so dokumentiert er hier, besonders mit "Tanz", dass er auch in der Lage war, Bewegung festzuhalten und durch typische Gesten zu charakterisieren.

3. Princezna Hyacinta

Nach einem Konzert des Bostoner Philharmonischen Orchesters im Jahre 1908, bei dem er Bedøich Smetanas symphonische Dichtung "Vltava" (Die Moldau) aus dem Zyklus "Má vlast" (Mein Vaterland) hörte, entschließt sich Mucha, seine Kunst ganz in den Dienst der slawischen Geschichte und Kultur zu stellen, und kehrt 1910 in seine tschechische Heimat zuück, wo er sich auf Schloss Zbiroh in Westböhmen niederlässt. Während dieser Zeit vor dem ersten Weltkrieg entwirft er sein einziges tschechisches Theater-Plakat, "Princezna Hyacinta" (Prinzessin Hyazinthe), das am 29.11.1968 von der Post der Tschechoslowakei als eines der Motive der alljährlich erscheinenden Gemäldeserie veröffentlicht wurde. Modell für das Plakat stand wahrscheinlich die berühmte tschechische Schauspielerin A. Sedláèková. "Princezna Hyacinta" ist eine musikalische Pantomime aus dem Jahre 1911 von Ladislav Novák mit der Musik von Oskar Nedbal. Es handelt von einem jungen Mann, dem seine Tochter während eines Schneesturms in die Prinzessin Hyazinthe verwandelt wird. Um diese bewerben sich drei Prinzen als Freier. Die Uraufführung des Stückes fand am 1. September 1911 im Nationaltheater in Prag statt.


4. Hradèany - die erste Briefmarke der Tschechoslowakei

Kurz vor Ende des 1.Weltkriegs entstand mit der Unabhängigkeitserklärung vom 28. Oktober 1918 aus Teilen des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs ein neuer Staat - die Tschechoslowakei. Wenige Wochen später am 18. Dezember gab dieser neue Staat mit einem der ersten hoheitlichen Akte seine erste Briefmarke heraus, die von Mucha entworfen wurde. Noch heute ist dieser Tag in der Tschechischen Republik der "Tag der Briefmarke". Zu den jeweils 10-jährigen Gedenktagen (1948, 1958, 1968, 1978, 1988) wurden Gedenkmarken oder Gedenkblocks mit dem Hradschin-Motiv und/oder Mucha veröffentlicht.



DÍVKA S RATOLESTI
(Mädchen mit Lindenzweig)
Alternativentwurf Muchas


HRADÈANY (Variante a)
Die erste Briefmarke der Tschechoslowakei
mit Stempel des Ausgabetages


HRADÈANY
(Variante c)
Erstausgabe: 27. Februar 1919


Unter großem Zeitdruck und auch gedrängt vom Club der Philatelisten in Prag wollte die neugegründete Postverwaltung schnell die verschiedenen Provisorien an Frankaturen, die seit dem 18. Oktober im Umlauf waren, abschaffen und eine erste eigene Briefmarke des neuen Staates herausgeben. Beim Studium verschiedener Quellen zu dieser Zeit, kommt man zur Überzeugung, dass die Behauptung, Mucha habe quasi über Nacht am 30. Oktober seinen Entwurf vorgelegt, offenbar eine Legende ist. Vielmehr scheint es so zu sein, dass er deswegen so schnell etwas vorweisen konnte, weil er sich schon längere Zeit mit dem Entwurf einer Briefmarke beschäftigte. Eine zentrale Rolle als einer, der die ganze Sache vorantrieb, spielte Jaroslav Lešetický. Er war Angestellter in der Generaldirektion, einer Vorläuferorganisation des späteren Postministerium, und gleichzeitig Mitglied im Prager Philatelistenclub. Bereits im April 1918, also mehrere Monate vor der Unabhängigkeit, besuchte er zusammen mit Jaroslav Šula, dem Club-Vorsitzenden, Alfons Mucha und führte erste Gespräche über eine mögliche Briefmarke. Lešetický war es auch, der Mucha unmittelbar nach dem Tag der Unabhängigkeit den Auftrag gab und eben am 30. Oktober bereits einen Entwurf erhielt. Obwohl die Entstehung der ersten Briefmarke damit in Gang gesetzt wurde und der Prager Briefmarkenclub durch Lešeticky natürlich informiert worden war, drängten diese auch nach der Unabhängigkeit weiter auf die Herausgabe einer Briefmarke und schrieben am 6. November 1918 einen Brief an die Generaldirektion, in der gefordert wurde, "aby odkladu pøikroèeno bylo k vydávání známek a celistvosti nového èeskoslovenského státu, a již zatímních nebo koneèných a aby do výboru k tomtuto cíli zøízenému pøibrání byli jako znalcové dva èlenové uvedeného klubu." (dass unverzüglich die Herausgabe von Briefmarken und Ganzsachen des neuen tschechoslowakischen Staates in Angriff genommen wird, und zwar noch vorläufige oder endgültige und dass ins Kommitee für dieses Ziel als Sachverständige auch zwei Mitglieder des erwähnten Clubs hinzugezogen werden.). Und obwohl sich die Postverwaltung nach der Unabhängigkeit bald für Mucha's hradèany-Entwurf entschieden hatte und auch die Termine für den Druck bereits feststanden, wurde trotzdem noch am 30. November 1918 ein öffentlicher Wettbewerb für die erste Briefmarke mit vier Geldpreisen ausgeschrieben. Warum dieser überflüssige Wettbewerb ausgeschrieben wurde, ist nicht klar. Denn weder von den eingereichten noch von den prämierten Entwürfen wurde jemals einer veröffentlicht noch für eine Ausgabe verwendet.

Es gibt wohl kaum ein anderes Land der Welt, das einen so namhaften Künstler als Schöpfer seiner ersten Briefmarke besitzt. Neben dem schließlich ausgewählten Motiv "hradèany" ist zumindest noch ein weiterer Entwurf Muchas bekannt, der zur Wahl stand. Er ist oben abgebildet (da ich keinen Originaldruck habe, leider in nicht sehr guter Abbildungsqualität). Der von Mucha favorisierte und von der Postverwaltung ausgewählte Entwurf hradèany wurde nach Angaben im Michel-Katalog von M. Šùla umgesetzt (wahrscheinlich einem Mitarbeiter des Druckinstituts) und zeigt einen Blick auf die Prager Burg, den Hradschin (tschechisch: hradèany). Mucha wählte dieses Motiv, weil er in der Prager Burg ein nationales Symbol sah und deswegen auch das Bild so gestaltete, indem er die Sonne hinter dem Hradschin aufgehen ließ, obwohl dies aufgrund der Naturgesetze nicht möglich ist. In einer philatelistischen Zeitschrift verklärte Mucha 10 Jahre später seine Wahl, den Hradschin mit der Sonne im Hintergrund auf seinem Entwurf abzubilden, als er sinngemäß schrieb, er habe den Hradschin als Motiv gewählt, weil kein anderes Gebäude des Landes so heilig sei wie die historische Prager Burg, kein anderes Gebäude so sehr Vergangenheit und Zukunft des tschechischen Volkes symbolisiere. In Zeiten der Dunkelheit und Unterdrückung habe das Volk zu ihr aufgeschaut und jetzt leuchte von der Burg Licht über das ganze Land. Darum habe es für ihn keine andere Wahl gegeben, als das Gebäude für die Briefmarke zu nehmen, das wie kein anderes für das tschechische Volk die Freiheit symbolisiere. Mit dieser Äußerung (in der Originalhandschrift Muchas links nachzulesen) beendete Mucha selbst eine Diskussion, die unmittelbar nach dem Erscheinen der Briefmarke um die Sonne entbrannte. Denn obwohl vermutlich den meisten die symbolische Bedeutung der Sonne auf dem Motiv klar wurde, wollten sie viele entfernt haben. Ein Zeitzeuge schrieb über diese Diskussion:

Vždy každý ví, že v tìch místech slunce nezapadá, tím ménì vychází, nebo východ témìø na opaèné stranì. Ozval se i hlas, že umìlec si mùže dát východ slunce, kam se mu zachce, pokud tak hodlá symbolizovat svobodu, která nastala naší vlasti. Jiný hlas mínil, že bohém Mucha si lebedil v Paøíži tak dlouho, že sotva ví, na které stranì lezí Hrad, a o východu slunce že také nemùže mít valnou potuchu, nebo umìlci, jak známo, vstávají až v poledne."
(Jeder weiß doch, dass an diesen Stellen die Sonne nicht untergeht, noch weniger aufgeht, denn der Osten ist beinahe auf der entgegengesetzten Seite. Man hörte Stimmen, dass der Künstler den Sonnenaufgang hingeben könne, wohin er ihn haben möchte, soweit er damit beabsichtigt, die Freiheit zu symbolisieren, die unser Vaterland erhalten hatte. Andere Stimmen meinten, dass der Bohémien Mucha es sich in Paris zu lange gut gehen ließ, so dass er kaum wisse, auf welcher Seite die Burg liegt, und dass er auch vom Sonnenaufgang keine große Ahnung haben könne, denn Künstler stehen bekanntlich erst mittags auf.)


Da man bis zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrung mit dem Briefmarkendruck hatte, wurde wahrscheinlich experimentiert und von Druckplatte zu Druckplatte häufiger Veränderungen am Design vorgenommen. Aufgrund fehlender technischer Möglichkeiten musste auf den eher anspruchslosen Buchdruck zurückgegriffen werden, was zudem dazu führte, dass die Qualität des Briefmarkendrucks eher bescheiden ausfiel, viele Platten- und Druckfehler auftraten und auch viele verschiedene Papiersorten, Druckfarben und Gummierungen verwendet wurden (für Spezialsammler natürlich ein unendliches Betätigungsfeld). Insgesamt gibt es fünf Varianten a bis e des Entwurfs, die jeder Sammler tschechoslowakischer Briefmarken natürlich kennt und beim Sammeln berücksichtigt. Die verschiedenen Varianten wurden über einen Zeitraum von 16 Monaten bis ins Jahr 1920 hinein veröffentlicht. Am 18. Dezember 1918 erschienen nur die hellgrüne 5-Heller- und die rote 10-Heller-Marke. Besonders begehrt sind daher natürlich Marken, die an diesem Tag abgestempelt sind (Beispiel s. oben). Bei Variante d und e wurde aufgrund der oben beschriebenen öffentlichen Diskussion die Sonne hinter dem Hradschin entfernt. In der Erstausgabe war die Marke geschnitten (ohne Zähnung). Bei Zeichnung e existieren zwei Untervarianten, unterschieden nach offener oder geschlossener Spirale (Typ I und II). Später kamen noch verschiedene Zähnungsvarianten hinzu. Der tschechische POFIS-Spezialkatalog führt insgesamt 7 offizielle Zähnungen (B bis H) an und benötigt insgesamt 15 Seiten für die Darstellung und Auflistung aller Varianten und Spezialitäten. Daneben gibt es auch eine Reihe privater Zähnungen. Diese entstanden, weil es für Banken oder größere Firmen recht umständlich war, mit den nicht perforierten Markenbögen umzugehen. Daher ließen verschiedene Firmen die Bögen privat perforieren. Die tschechoslowakische Post tolerierte solche neuen Zähnungsvarianten. Zählt man die Auflagen aller regulären Hradschin-Marken zusammen, so ergeben sich nach dem POFIS-Katalog 1.060.816.000 Exemplare. "Hradèany" dürfte damit das am weitesten verbreitetste und bekannteste Werk Muchas sein, obwohl vermutlich viele die Briefmarke nicht mit Alfons Mucha in Verbindung bringen dürften. Aber nicht genug: die Hradschin-Marke fand mit Aufdrucken auch Verwendung als Rot-Kreuz-Gedenkmarke, Luftpostmarke, Porto-Marke und im ostschlesischen Abstimmungsgebiet (Aufdruck "SO1920"). Die Gesamtauflage liegt somit bei ca. 1,2 Milliarden Exemplaren.


Banknote der Tschechoslowakei, entworfen von Alfons Mucha
Vielen Dank an Val Timmons für die Abbildung!

5. Die weiteren Briefmarkenentwürfe Muchas

Die tschechoslowakische Post hat im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Briefmarken entweder Alfons Mucha selbst oder der Hradschin-Marke gewidmet. Auch die 1993 gegründete Tschechische Republik startete am 20.1.1995 ihre neue Reihe "Tradice èeské známkové tvorby" (Tradition tschechischer Briefmarkengestaltung) mit einem Entwurf von Alfons Mucha. Die links abgebildete Marke zeigt den Entwurf Muchas "Sokol v letu" (Falke im Flug) für die ab 1918 gültige Zeitungsmarke der Tschechoslowakei. Auch die Zuzahlungsmarke (doplatit) und die Eilmarken der ersten Jahre der Tschechoslowakei stammen von Alfons Mucha. Mucha entwirft aber nicht nur die erste Briefmarke der Tschechoslowakei, sondern auch die Banknoten (ein Beispiel siehe oben) und selbst das Staatswappen der ersten tschechoslowakischen Republik. Dieses Wappen ist dann ab 1929 - gestochen von Karl Seizinger das Motiv einer Dauermarkenserie (Beispiel siehe rechts) mit insgesamt 6 Werten von 5 bis 40 Heller.



Hussite mit Kelch

Ein weiterer Entwurf Muchas für eine Gedenkmarke stammt aus dem Jahre 1920. Sie wurde im Juni 1920 veröffentlicht und zeigt einen Hussitenpriester mit einem Kelch, dem Zeichen der Hussitenbewegung im 14. Jahrhundert. Sie entstand im Rahmen eines Wettbewerbs, den die staatliche Postbehörde Ende 1919 ausgeschrieben hatte. Zur Abgabe eines Entwurfs aufgefordert wurden die vier Künstler, die schon davor einmal Entwürfe vorgelegt hatten, neben Mucha auch Vratislav Hugo Brunner, Jaroslav Benda und Jakub Obrovský. Alle abgebenen Entwürfe wurden später für Briefmarken verwendet, so auch Muchas Entwurf mit dem Titel "Husita". Die Marke gibt es in zwei Ausgaben, einer zu 80 Heller (lila, siehe Abbildung) und in der gleichen Zeichnung eine zu 90 Heller (schwarzbraun) und auch ihre weitere Geschichte ist etwas ungewöhnlich. In seinem Artikel "Philately of Czechoslovakia for Beginners" beschreibt Phillips Freer diese Geschichte (freie Übersetzung aus dem Englischen von mir):



Ursprünglich entwarf Alfons Mucha die Briefmarke als Einzelausgabe zu 100 h. Die Ziffern waren unten links und unten rechts plaziert mit dem französischen Text "Droite a la Coupe" (Die Rechte des Kelchs) dazwischen. Einige Offizielle aus der Regierung argumentierten, dass auf einer tschechoslowakischen Briefmarke nur Texte in tschechischer Sprache stehen dürften. Andere glaubten, dass der Text die Katholiken im Land brüskieren würde. Die Worte wurden daher beim engültigen Entwurf beseitigt. Weiterhin meinten Beamte aus dem Postministerium, dass schon genügend Marken mit der Wertstufe 100h im Umlauf seien. Da der Hussitenpriester bei den nicht-reformatorischen Christen ein gewisses Stirnrunzeln hervorrief, einigte man sich auf die Wertstufen 80h und 90h, da der Bedarf nach diesen Werten relativ gering war. Als schließlich die zwei Briefmarken augegeben wurden, widersetzte sich eine größere politische Partei. Dieser Widerstand wurde durch einen Kompromiss umgangen, in dem festgelegt wurde, dass nur eine begrenzte Anzahl von Poststellen im Land mit den Briefmarken versorgt wurden, die außerdem nur für 10 Monate gültig sein sollten. Dies wurde dadurch sichergestellt, dass nur rund 4 Millionen Exemplare jeder Marke gedruckt wurden. Nichts desto weniger wurde eine größere Anzahl beider Ausgaben der Hussitenmarke in der Prager Postverwaltung behalten und konnte dort persönlich bis 1935 gekauft werden. Dies ist auch der Grund, warum die Marken selbst heute noch einigermaßen verfügbar sind, allerdings sind Umschläge mit diesen Marken nicht sehr häufig. Die Ausgaben wurden in einem Buchdruckverfahren in Bögen zu 100 Stück gedruckt. Der 80h-Wert ist purpur, der 90h-Wert bräunlich schwarz. Diese Farben, zusammen mit dem Design, lassen die Marken etwas trüb und unattraktiv erscheinen. Sie besaßen die Zähnung 13', aber es gab auch geschnittene Ausgaben. Ausgegeben erstmals im Juni 1920 und von der offiziellen Verwendung im April 1921 zurückgezogen, sind sie wahrscheinlich die unpopulärsten Ausgaben der 1. Republik.

6. Slawisches Epos

In seinen Atelierräumen auf Schloss Zbiroh begann Mucha im Jahre 1911 mit dem monumentalen und in der Kunstwelt auch heute noch umstrittenenen Gemäldezyklus "Slawisches Epos", mit dem er sich seinen künstlerischen Traum realisierte. Der Zyklus versucht die slawische Geschichte darzustellen und damit die Grundlagen des neuen Staates zu rechtfertigen. Das auf der am 27.11.1990 veröffentlichten Briefmarke von Václav Fajt gestochene Bild "Slované v pravlasti" (Slawen in der Urheimat) hat die überdimensionalen Maße 610x810 cm (auf der Briefmarke ist nur ein Ausschnitt dargestellt) und ist das erste von insgesamt 20 Gemälden, die Mucha der tschechischen Nation widmet. Insgesamt malte er 18 Jahre lang an dem Zyklus. Das gesamte Projekt wurde von dem amerikanischen Industriellen und Diplomaten Charles R. Crane finanziert. Bereits 1921 wurden die ersten fünf Gemälde des Zyklus mit großem Erfolg in Chicago und New York ausgestellt. Im Frühjahr des Jahres 1928 nach dem Umzug in sein Haus in Prag-Bubeneè schließt er sein Werk ab und im September wird der gesamte Zyklus in den neuen Prager Messehallen ausgestellt und bei diesem Anlass der Stadt Prag übergeben. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch Hitler erkannten die Nazis relativ bald, dass in der Idealisierung der slawischen Nation durch dieses Werk eine gewisse Gefahr für ihre Ziele lag. Das Werk musste daher zeitweise in einem Versteck der Galerie der Hauptstadt Prag vor den Nazis in Sicherheit gebracht werden. Seit 1963 ist das gesamte monumentale Werk im Schloss von Moravský Krumlov in der Nähe seines Geburtsorts Ivanèice zu sehen.
Slovane

In seiner tschechischen Heimat erhält Mucha bis zu seinem Tod eine Vielzahl von Aufträgen durch den neuen Nationalstaat der Tschechen und Slowaken. So schmückt er u.a. den Primatorensaal des Prager Gemeindehauses (obecní dùm) mit seiner Malerei aus und gestaltet die Fensterverglasung für die neue erzbischöfliche Kapelle des Prager St.-Veits-Doms (1931). Als die Nazis die Tschechoslowakei im März 1939 besetzten, war Mucha bereits schwer krank. Als tschechischer Patriot wird Alfons Mucha 1939 von der Gestapo kurzfristig verhaftet, darf aber aufgrund seines Gesundheitszustands wieder nach Hause. Er stirbt wenige Wochen später am 14. Juli 1939 in Prag an den Folgen einer Lungenentzündung.

© Gerhard Batz 1997-2001
umgestaltet: 29. März 2001
letzte Ergänzung: 4. November 2001

Besuchen Sie auch meine Briefmarkengalerie, wo Sie eine Fülle weiterer Informationen zu tschechischen und slowakischen Briefmarkenkünstlern finden!


   
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