
Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst


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Beispiele der Variationen bei der Gravur der Masaryk-Marke oben: karierte bzw. schraffierte Gestaltung der Schulter und Variation der Darstellung des Barts unten: Variationen der Gestaltung des Ziffernfeldes und der Wert-Ziffer und -Bezeichnung |
Nachdem man im Jahr 1926 die ursprüngliche von Karl Wolf gestochene Masaryk-Marke in einer Adaption für eine
Dauermarkenserie übernommen hatte, wurde die Druckplatte des Original-Stichs durch Jaroslav Goldschmied mehrfach
verändert bzw. nachgraviert. Die Ausgabe wurde damit so oft geändert wie keine andere tschechoslowakische Briefmarke - ein
beinahe unerschöpfliches Feld für Forschung und für alle Spezialisten unter den Sammlern. Warum so viele Veränderungen vorgenommen wurden, ist bis heute nicht eindeutig zu sagen. Weil es sich um die erste echte Briefmarke im Stahlstichdruck handelte, wurde möglicherweise mit diesen Veränderungen experimentiert. Ein weiterer denkbarer Grund ist, dass der Rotationsdruck auf der neu angeschafften amerikanischen Stickney-Druckmaschine nicht sofort alle Erwartungen erfüllte. Es könnte aber auch gewesen sein, dass Švabinský, der Entwerfer der Briefmarke, - nach dem unbefriedigenden Ergebnis seines ersten Versuchs von 1920 - sehr kritisch an die Ausführung dieser neuen Marke heranging und sich mit der stecherischen Umsetzung erst nach und nach zufrieden zeigte. In den einschlägigen Briefmarkenkatalogen werden im allgemeinen 6, in einigen Katalogen sogar 7 Typen des Masaryk-Porträts beschrieben. Die hier gezeigten Beispiele sind nicht vollständig. So wurde beispielsweise auch das Blätterornament rechts und links des Porträts mehrfach anders dargestellt. Die Masaryk-Marke ist somit ein schönes Beispiel, an dem alle möglichen Gravur-Mittel demonstriert werden können: dicke und dünne Linien, Punkte, Schraffierungen, Karos usw. und neben den vielen Gestaltungs- und Druckvarianten auch mehrere Ausgaben mit Wasserzeichen-Variationen und unterschiedlichen Formatgrößen des Porträts. Nach vielen Anläufen, der ursprünglichen Marke von Švabinský und Wolf aus dem Jahr 1923 eine passende und von allen akzeptierte Form zu geben, beendete man schließlich 1926/27 die Versuche. Die oben abgebildete Ausgabe ist die letzte Variante des Švabinský-Entwurfs auf einer Briefmarke. Mit allen verschiedenen Varianten wurde die Masaryk-Briefmarke insgesamt in mehr als 2,5 Milliarden Exemplaren gedruckt. Sie dürfte damit wohl auch die am weitesten verbreitete Briefmarke der Tschechoslowakei sein. |