Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst



KARL WOLF
(1894-1966)

Der deutschstämmige Stecher Karl Wolf wurde am 28. April 1894 in Chudenice bei Klatovy geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Fachschule in Mikulášovice. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkriegs arbeitete er in Znojmo und im Krieg als Stecher in Wien im kartographischen Amt der Armee. Danach war er von 1919 bis 1925 in Prag Angestellter der Druckerei A. Haase, bevor er an die tschechoslowakische Nationalbank wechselte. Wie sein deutscher Kollege Karl Seizinger verließ er nach dem Münchner Abkommen und noch vor der Besetzung der Tschechei durch Hitler das Land und ging nach Leipzig, wo er vom 1. April 1939 bis zu seinem Ruhestand in der Druckerei Giesecke & Devrient arbeitete, die später zur Wertpapierdruckerei der DDR wurde. Aus dieser Zeit gibt es auch eine ganze Reihe von Briefmarken der DDR aus seiner Feder. Karl Wolf starb am 27. September 1966 in Leipzig.


T. G. Masaryk

TOMÁŠ GARRIGUE MASARYK
erste Version des Masaryk-Porträts
gestochen von Karl Wolf
nach einem Entwurf von Max Švabinský

erste Briefmarkenausgabe der Tschechoslowakei im Stahlstichtiefdruck
Ausgabetag: 28. Oktober 1923, MiNr. 205
zum 5. Gründungstag der Republik
Drei Jahre nach den ersten missglückten Versuchen, ein Masaryk-Porträt auf Briefmarke im Stahlstichdruck herauszugeben (siehe die Seite zu Eduard Karel), wagte man sich wieder an diese Aufgabe, nicht zuletzt auch deswegen, weil inzwischen die technischen Voraussetzungen in der Produktion geschaffen worden waren. Erneut beauftragte man im Jahr 1923 Max Švabinský, das Bild des Präsidenten für die Briefmarkenausgabe zum 5. Jahrestag der Gründung der Tschechoslowakei am 28. Oktober 1923 zu entwerfen. TomᚠGarrigue Masaryk saß dem Künstler Anfang 1923 im Atelier des Bildhauers Jan Štursa in der Prager Kunstakademie Modell. Das Ergebnis war ein erster Entwurf, ausgeführt als Tuschezeichnung im Format 163 x 160 mm. Rechts unten auf diesem Entwurf befinden sich noch zwei kleine Skizzen Švabinskýs, auf denen Masaryks Kopf einmal von einem Quadrat und ein zweitesmal von einem Oval umrahmt ist. Der Entwurf befindet sich heute im Besitz des Postmuseums in Prag.

Die endgültige Ausführung zeigt dann ein klassisches Porträt, im Rahmen reichhaltig verziert und gestochen von dem deutschen Stecher Karl Wolf, dessen einziger veröffentlichter Briefmarkenstich für die Tschechoslowakei diese Ausgabe blieb, da er meist mit dem Stich von Banknoten beauftragt wurde.

Am 28. Oktober 1923 erschien dann der Briefmarkensatz mit dem Porträt in 4 Wertstufen zu 50, 100, 200 und 300 Heller, die in Stahlstichtiefdruck hergestellt wurden. Im Unterschied zu früheren Ausgaben, die im allgemeinen durch das Graphikinstitut Unie gedruckt wurden, übernahm den Druck der 4 Masaryk-Marken die Firma A. Haase in Prag. In den Jahren 1925 und 1926 erhielten diese Marken Überdrucke zum 11. Internationalen Olympischen Kongress und zum Kongress der Arbeitersportorganisation SOKOL. Wenig später - noch im Jahr 1926 - übernahm man eine Adaption dieser Briefmarke als Grundlage für eine Dauerserie mit den damals gängigen Frankaturwerten. Diese Serie in allen nachfolgenden Varianten sollte für Sammler zum Klassiker schlechthin unter den Briefmarken der Tschechoslowakei werden (siehe dazu die folgende Seite zu Jaroslav Goldschmied).