Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
Jan Zrzavý gehört zur Avantgarde der tschechischen bildenden Künstler
am Beginn dieses Jahrhunderts. Geboren am 5. November 1890 in Vadín
bei Havlíèkùv Brod reagiert er in seinen Werken gefühlvoll auf alle
Entwicklungen der modernen Kunst und Malerei, beschäftigt sich aber auch mit der
italienischen Renaissance. Auf mehreren Reisen nach Italien und Frankreich nimmt er
vielfältige Einflüsse der Kunst dieser Länder auf.
Nach einem zweijährigen Studium an der Kunstgewerbehochschule in Prag bei Emanuel Dítì
kam er in den Prager Künstlerkreisen in Kontakt mit Jan Preisler und Bohumil Kubišta, einem
der Protagonisten des tschechischen Kubismus. Die Auseinandersetzung mit ihm
und seine spätere Freundschaft mit ihm halfen ihm beim Erlernen
der formalen modernen Stilmittel. Er griff in expressivem Stil emotionale Grundthemen auf
wie Angst, Einsamkeit, Schmerz oder Gewalt auf. Der Gegensatz von Licht und Schatten ist von
Anfang ein typisches Kennzeichen seines Stils. Im Jahr 1918 war Mitbegründer der Künstlergruppe
"Trvdošíjní" (Die Hartnäckigen) und u.a. Mitglied der "Umìlecká beseda" sowie der SVU Mánes.
Für verschiedene Theater und Opernhäuser war er für Inszenierungen verantwortlich.
Während der deutschen Besatzung galten seine Werke als "entartete Kunst" und auch nach dem Krieg
standen seine Werke im Widerspruch zur kommunistischen Doktrin des sozialistischen Realismus. Sie
wurden als unrealistisch und formalistisch gebranntmarkt. Vor allem in den 50er Jahrem widmete er sich
daher häufig der Buchillustration. Zu nennen ist hier beispielsweise
eine reichaltige Illustration von Rainer Maria Rilkes "Das Lied von Liebe und Tod des Kornett Christoph Rilke".
Später erkannte man jedoch seine künstlerische Bedeutung und so erhielt er 1965 den Ehrentitel eines Nationalkünstlers (Národní umìlec).
Mehrfach wurde er auch auf Briefmarken gewürdigt. "Kleopatra II", ein für ihn typisches Werk,
das sich zudem in vielfachen Varianten durch sein
gesamtes Schaffen zieht, ist auf der vorherigen Seite in der Umsetzung auf Briefmarke durch
Josef Herèík dargestellt und ausführlicher beschrieben. Weitere Werke von ihm auf
Briefmarken sind die Tuschezeichnung "Luna hledající konvalinky"
(Maiglöckchen suchende Luna), verausgabt im Jahr 1971 (MiNr. 1983), und sein Ölbild "Haldy" (Halden),
das 1980 in der Serie "umìní" erschien (MiNr. 2593). Er selbst wurde zu seinem 5. Todestag im Jahr 1982
auf einer Briefmarke (MiNr. 2688) gewürdigt (siehe oben). Die auf der Marke abgebildete Büste Zrzavýs
stammt wiederum von einem anderen bekannten tschechischen Künstler, und zwar dem
Bildhauer Jan Simota (geboren 1920), der diese Büste für die Gedenkstätte
in Zrzavýs Haus auf der Prager Kleinseite schuf.
Jan Zrzavý starb am 12. Oktober 1977 in Prag und ist auf dem Friedhof in Krucemburk begraben.