Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
Marie Èermínová, die wohl bekannteste und bedeutendstes tschechische Künstlerin des 20. Jahrhunderts
wurde am 21. September 1902 in Prag geboren. Doch kaum einer kennt sie unter diesem Namen. Ihre
Bekanntheit und künstlerische Bedeutung erreichte sie unter ihrem französischen Künstlernamen Toyen,
der auch ihre enge Beziehung zu Frankreich zum Ausdruck bringt, wo sie viele Jahre ihres Lebens verbrachte.
Untrennbar verbunden ist in diesem Zusammenhang ihr Name mit dem eines anderen Künstlers dieser Epoche -
Jindøich Štyrský, der ebenfalls in dieser Galerie gewürdigt wird.
Der Anfang des künstlerischen Schaffen Toyens liegt in der Modifikation eines puristischen Kubismus, wie er sich in der
neugegründeten Tschechoslowakei der 20er Jahre herausbildete. Doch bereits ab etwa 1925 wendete sich davon ab und
begann eine Serie naiver, dichterischer Bilder zu malen, die auch poetische Werke von Künstlern aus der Gruppe
Devìtsil beeinflusste. Die entscheidende Wende in ihrem Schaffen trat ein, als sie am Ende des Jahres 1925
mit Jindøich Štyrský nach Paris zog und mit ihm zusammen dort
eine Kunstform entwickelte, die später unter der Bezeichnung Artifizialismus in die Kunstgeschichte einging.
Toyens Beitrag zu dieser Kunstform zeichnet sich aus durch lyrische Abstraktionen von traumhaften Motiven, ausgeführt mit
zerbrechlichen, haarfeinen Linien und Kurven.
Anfang der 30er Jahre näherte sie sich mit der Darstellung rätselhafter Objekte wie Muscheln, Eier u.a. immer mehr
dem Surrealismus an und gehörte 1934 zu den Gründungsmitglieder der in Prag gegründeten tschechischen
Gruppe von surrealistischen Künstlern. Ende der 30er Jahre wurde ihre Darstellungsform wieder konkreter und
gipfelte in dem Zyklus "Pøízraky pouštì" (Gespenster der Wüste). Die bereits hier in Ansätzen
erkennbare grenzenlose Verzweiflung steigerte sich in Toyens Werk während der Kriegsjahre noch in Bildern,
die ausgeführt wurden mit suggestiven Techniken eines magischen Realismus. Nach dem Krieg lebte sie weiterhin in Paris
und machte durch eine Vielzahl weiterer imaginativer Bilder auf sich aufmerksam, mit denen sie
"eintauchte in die tiefgründigen Räume der Nacht, trügerische Traumbilder, Halluzinationen und sich
verflüchtigende Trugbilder, die sich ausdrückten in faszinierenden und rätselhaften Bilder,
aufgeladen mit starkem erotischen Potential" (soweit die Beschreibung eines Kunsthistorikers).
Marie Èermínová alias Toyen starb am 9. November 1980 in Paris.