Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
Wer sich für tschechische Briefmarken interessiert oder sich mit tschechischer Kunst und Malerei,
insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, beschäftigt, wird über kurz oder lang unweigerlich auf
den Namen Karel Svolinský stoßen, einem der einflussreichsten tschechischen
Künstler dieser Jahre. Nicht nur als Künstler selbst hatte er großen
Einfluss auf die Entwicklung der tschechischen darstellenden Kunst. Vor allem als Kunstprofessor an der
Akademie der bildenden Künste in Prag bildete er viele bedeutende Maler und Graphiker der Tschechoslowakei
aus. Dies und die Tatsache, dass er sich nie einer der vielen Richtungen in der
tschechischen Kunst anschloss, räumt ihm eine Sonderstellung in der Kunst seines
Landes ein. Und was für ihn als Kunstpädagoge gilt, muss in gleichem Maße für seinen Einfluss auf die Entwicklung der Briefmarkenkunst in der Tschechoslowakei gesagt werden. Seine Briefmarkenentwürfe sind "svìt sám pro sebe" (eine eigene Welt für sich) und seine Entwürfe prägten viele der Briefmarkenentwerfer nach ihm. Einer seiner bekanntesten Schüler - auch im Bereich der Briefmarken- und Banknotengraphik - ist beispielsweise Oldøich Kulhánek, der seinem Lehrer auf der oben dargestellten Briefmarke ein Denkmal gesetzt hat.
Karel Svolinský wurde am 11. Januar 1896
im kleinen mährischen Wallfahrtsort Svatý Kopeèek bei Olomouc (Olmütz) geboren
und studierte an der Kunstgewerbe-Hochschule in Prag Plastik und Graphik.
Seit den 20er Jahren, als er durch eine Illustration von K. H. Máchas epischem Gedicht "Maj" berühmt wurde,
hatte er einen festen Platz in der tschechischen Kunstszene.
Mit einfachen graphischen Mitteln schuf er eine Fülle von Werken. Sein
persönlicher Illustrationsstil ist geprägt von Frische und Farbigkeit
und festen geschwungenen Strichen und Schriften. In einem Artikel wird er treffend als "malíø života, radosti, optimismu, mládí" (Maler des Lebens, der Freude, des Optimismus, der Jugend) beschrieben. Sein ganzes Schaffen war
stark beeinflusst von folkloristischen Elementen seiner mährischen
Heimat in der Tradition der großen tschechischen Künstler des
19. Jahrhunderts, Josef Mánes und Mikoláš Aleš.
Dies drückt sich auch in den 210 Briefmarkenentwürfen, erschienen in insgesamt 83 verschiedenen Ausgaben aus, die er in beinahe 40 Jahren für die
Post der Tschechoslowakei entwarf. U.a. stammen von ihm mehrere Serien mit Volkstrachten des Landes (1955, 1956,
1957 und 1977), von Werken der Volkskunst (1963) sowie Darstellungen tschechischer und slowakischer Bräuche.
Wie von seinem Lehrer Max Švabinský
gibt es auch von Svolinský viele Briefmarken mit Porträts bekannter Persönlichkeiten.
Erwähnen sollte man auch seine zahlreichen Serien mit Pflanzen und Tieren. Auch für verschiedene
Banknoten der früheren Tschechoslowakei schuf Svolinský Entwürfe, die aufgrund ihrer fröhlichen Farbigkeit einzigartig sind. Briefmarkengeschichte schrieb er mit seinen vier Entwürfen mit Volkstrachten aus dem Jahr 1955 (MiNr. 921-924), die - gestochen von Jindra Schmidt - die ersten mehrfarbig gedruckten Briefmarken der Tschechoslowakei im Stahlstichtiefdruck waren. Aufgrund dieser vielfältigen Verdienste um die Briefmarken- und Banknotenkunst in der Tschechoslowakei erhielt er zu seinem 85. Geburtstag im Jahr 1981 die Medaille des tschechoslowakischen Transport- und Postministeriums und zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 1996 würdigte ihn die Tschechische Republik mit der Ausgabe einer eigenen Sondermünze im Wert von 200 Kè.
Auf alle Themen einzugehen, die Svolinský mit seinen Briefmarken abdeckt, würde
entschieden zu weit führen, ist er doch der tschechische Künstler, der mit Abstand die meisten Briefmarken seines
Landes schuf. Auf der "best of"-Seite kann daher auch nur eine sehr kleine Auswahl seines vielseitigen
Briefmarkenschaffens berücksichtigt werden. Svolinsky's Briefmarkenkunst wird in einer
tschechischen Publikation folgendermaßen beschrieben:
"Jedním z nejdùležitìjších pøínosù K. Svolinského známkové tvorbì je to, že pøevedl svùj vlastní
výtvarný výraz na miniaturní formát. Spojoval kresebnost s barevností, kompozièní øešení pøizpùsoboval daným rozmìrùm,
textová èást respektovala kresbu. Všechny vyjadøovací prvky podøizoval K. Svolinský celkovému dojmu a obohatil tak
výtvarnou tváø známek."
(Einer der wichtigsten Beiträge K. Svolinskýs zur Briefmarkengestaltung ist, dass er seinen eigenen künstlerischen Stil
auf das Miniaturformat übertrug. Er verband seine zeichnerische Fähigkeit mit Farbigkeit, passte die Komposition der
erforderlichen Größe an und der Textteil respektierte die Zeichnung. Svolinský ordnete alle Ausdruckselemente dem Gesamteindruck
unter und bereicherte so das künstlerische Aussehen der Briefmarken)
Karel Svolinský starb am 16. September 1986
in Prag.