Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
Geboren wurde Oldøich Kulhánek am 26. Februar 1940 in Prag. Von 1958 an
studierte er an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag und hatte dort mit Karel
Svolinský eine herausragenden Lehrer. Der künstlerische Durchbruch gelang ihm in der zweiten Hälfte der 60er Jahre, in der Zeit
des beginnenden sog. "Prager Frühlings". Zu den wichtigsten Themen seiner Werke gehörten damals schon - neben historischen Themen -
die Verurteilung von Gewalt und Unrecht, Heuchelei und falscher Moral. Natürlich kam er mit einer solchen Einstellung in Konflikt mit
dem herrschenden kommunistischen System. Er wurde 1971 verhaftet und in einem Prozess wegen Beleidigung der UdSSR und Anstiftung zu
antisozialistischer Propaganda angeklagt, mit der Folge, dass seine
Werke in den 70er Jahren nicht ausgestellt werden durften. Trotzdem war er in dieser Zeit
äußerst produktiv und verfeinerte seinen Stil. Er konzentrierte sich dabei vor
allem auf den Stahl- und Kupferstich.
Heute zählt Oldøich Kulhánek mit Sicherheit zu den bekanntesten lebenden Graphikern der
Tschechischen Republik. Jeder Tscheche hält jeden Tag Werke von ihm in seinen Händen.
Denn die heute gültigen tschechischen Banknoten zieren Bilder, die
Kulhánek entwarf (s. unten die 100 Kronen-Banknote, gestochen von Miloš
Ondráèek). Er steht somit in der reichen Tradition tschechischer Graphiker,
die Banknoten schufen, wie Alfons Mucha, Max Švabinský,
V.H. Brunner oder Albín Brunovský.
Nach dieser strapaziösen und zeitaufwendigen Arbeit schuf er basierend auf diesen Erfahrungen mit Banknoten unter
dem Titel "Funny money" einen seiner bekanntesten graphischen Zyklen, in dem Banknoten verschiedener europäischer
Länder parodiert werden.
Nach der "Samtrevolution" von 1989 wurde er bald auch mit dem Entwurf von Briefmarken beauftragt. Sein erste Briefmarke
erschien 1990 und ist eine Gedenkmarke für seinen von ihm hoch verehrten Lehrer
Karel Svolinský. In der Zwischenzeit gehört Oldøich Kulhánek zu den etablierten Briefmarkenentwerfern, der vor allem durch einige
exzellente Blockausgaben auf sich aufmerksam machte,
u.a. die Blöcke zu den Ausstellungen
"Das Prag Rudolf II." (1997) und "Das Prag Karl IV." (1998), aus dem die hier abgebildete
Briefmarke stammt.
Seinen künstlerischen Stil beschreibt folgendes Zitat: "Neben der realistischen, technisch perfekten Darstellung ist das Prinzip
des Kontrastes ein typischer Zug der meisten seiner Werke. Bei ihm verbinden sich das Bestimmte mit dem Unbestimmten,
Dynamik und Expressivität mit Stille und Halt und Beschreibungen der Augenblicklichkeit mit archaischen Ausdrucksweisen.
So geordnet und zensiert lässt sich sein Werk dennoch keiner Stereotype zuordnen. Über Erfassen und Illustrieren
der menschlichen Bedingungen hinaus handelt es sich um das Sehen an sich und die damit verbundene Kontemplation, die uns erreichen kann, falls wir
dazu bereit sind. Wirkliche Geistesgegenwart und Offenheit sind dazu notwendige Voraussetzungen."
Seine Werke befinden sich heute in den renommiertesten Museen der Welt, so z.B. in der Albertina Wien, der Kongressbibliothek in Washington,
dem Wallraff-Richartz Museum in Köln, dem Centre Georges Pompidou in Paris, dem Nationalmuseum in Stockholm und natürlich auch der
Nationalgalerie in Prag. Mit Sicherheit kann man von ihm auch noch viele weitere gute und qualitativ hochwertige Briefmarkenentwürfe
erwarten.
