Die Briefmarkengalerie tschechischer und slowakischer Graphik-Kunst
Eine der schillerndsten Figuren der Prager Kunst- und Intellektuellenszene in der
Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stellt zweifellos Adolf Hoffmeister dar. Zeit seines Lebens war er ein unruhiger und
unangepasster Geist, der sich in kein Schema pressen ließ. Er wurde am 15. August 1902 in Prag als Sohn einer wohlhabenden Prager
Familie geboren, die noch heute das Luxushotel "Hoffmeister" auf der Prager Kleinseite besitzt.
Er wird beschrieben als eleganter Weltenbummler und Kunstfreund, Liebhaber
guter Speisen und edler Weine, der besonders eng verbunden war mit der magischen
Anziehungskraft seiner Heimatstadt Prag. Er war nacheinander und oft auch gleichzeitig Maler,
Karikaturist, Ilustrator, Bühnenbildner, Schriftsteller, Dramaturg, Übersetzer, Journalist, Radiokommentator,
Kunstprofessor, Kunstkritiker, Politiker, Diplomat, Kulturfunktionär und ein weltgewandter Reisender.
Kein Wunder, dass man ihn aufgrund dieser vielfältigen Aktivitäten kaum eindeutig in eine der Kunstrichtungen
seines Landes einordnen kann.
Was ihn sein ganzes Lebens aber begleitete, war seine links-intellektuelle Geisteshaltung, die viele aus
seiner Generation des ersten Weltkrieg prägte. Im Oktober 1920 war er der jüngste einer Reihe tschechischer Intellektueller
- unter ihnen beispielsweise der Schriftsteller und spätere Literatur-Nobelpreisträger von 1984 Jaroslav Seifert
(1901-1986) -, die die links-intellektuelle Künstlervereinigung "Devìtsil" (Pestwurz) gründeten.
Hoffmeister war auch der erste Sekretär der Gruppe. "Devìtsil" versuchte alle Werte neue zu bewerten und eine
Rückkehr zu Einfachheit und Tradition zu finden. Bald jedoch wurden Hoffmeisters Verbindungen zu dieser Gruppe
lockerer und er begann zu reisen, um die Kultur anderer Nationen aus erster Hand zu studieren. Dabei schrieb er
Artikel für Prager Zeitschriften und Magazine. Aus dieser Zeit stammen auch viele Porträts und Karikaturen seiner
Künstlerkollegen, die ihm für seine Kulturberichte und Interviews zur Verfügung standen, fügte er doch allen
seinen Beiträgen in der Regel auch eine Karikatur bei. Eine der sicher interessantesten ist das hier auf Briefmarke
abgebildete Porträt Franz Kafkas, mit dem er eng befreundet war. Aber auch andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurden von ihm
porträtiert, sowie vor allem Künstlerkollegen.
Nachdem in den 30er Jahren in Deutschland die satirische Zeitschrift "Simplicissimus" durch die Nazis verboten worden war, gründete
Hoffmeister in Prag den antifaschistischen "Simplicus", später "Simpl" genannt.
Nach der Besetzung der Tschechoslowakei floh er 1939 nach Frankreich, wurde aber auch dort für sieben
Monate inhaftiert. Er entkam und floh weiter über Portugal und Marokko in die Vereinigten Staaten.
Dort leitete er das tschechische Exilradio für die Tschechen in der Heimat.
Pardoxerweise erreichte er gerade in der Zeit seines Exils durch die Kinderoper "Brundibár"
besondere Berühmtheit. Von ihm stammt die Geschichte über die Kinder Aninka und Pepièek, die den bösen Leierkastenmann
Brundibár besiegen, die Grundlage für sein Opernlibretto war. Im Jahr 1943 wurde diese Kinderoper mit der Musik des
tschechischen Juden Hans Krása (geb. 1899 in Prag, ermordet 1944 in Auschwitz) mehrfach
durch die Kinder des Konzentrationslagers Theresienstadt aufgeführt wurde
und erst in den letzten Jahren neu entdeckt und vor allem in Deutschland
wieder zur Aufführung gebracht wurde.
Nach der Rückkehr in seine Heimat wurde er für sein Land Generaldirektor für kulturelle Beziehungen und nahm
in dieser Funktion an vielen Aktivitäten der UNESCO teil. Im Februar 1948 begrüßte er als überzeugter
Linksintellektueller den kommunistischen Putsch und wurde Botschafter seines Landes in Frankreich. Im Laufe der
immer stärker werdenden Stalinisierung musste er aber seine Funktionen wieder aufgeben und blieb nur noch
Professor an der Prager Akademie für angewandte Kunst, wo er ein spezielles Institut für Kinderbuchillustrationen
und Zeichentrickfilme unterhielt, das in enger Beziehung zur Zeichentrickfirma von
Jiøí Trnka stand.
Längere Zeit war Hoffmeister in den 60er Jahren Vorsitzender der Kunstkommission (Komise pro posuzování ideové a umelecké hodnoty návrhù èeskoslovenských poštovních známek, Kommission für die Begutachtung des ideellen und künstlerischen Wert der Entwürfe der tschechoslowakischen Briefmarken), die für die Planung und die Auswahl der Briefmarkenausgaben der Tschechoslowakei verantwortlich war. Auf diese Weise übte er maßgeblich Einfluss auf die Entwicklung und den hohen künstlerischen Standard der Briefmarken in der Tschechoslowakei aus. In dieser Zeit stellte er auch in den Jahren 1968 und 1969 insgesamt 13 seiner Künstlerkarikaturen
für eine Veröffentlichung auf Briefmarken zur Verfügung. Neben den
hier vorgestellten Porträts von Karel Èapek und Franz Kafka findet man
u.a. auf diesen Briefmarken Ernest Hemingway, Pablo Picasso, Charly Chaplin,
Henri Matisse und andere. Enge Freundschaft unterhielt er auch zu
Jan Werich, einem der Protagonisten des sogenannten "Befreiten Theaters",
dem im Jahr 1995 drei Briefmarken und ein Block der Tschechischen Republik mit
Hoffmeister-Karikaturen gewidmet war.
Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, in dem er eine neue Chance sah, seine idealistischen Vorstellungen
zu verwirklichen, verließ er für zwei Jahre wieder einmal seine Heimat und war Professor in Viencennes (Frankreich),
kehrte aber 1970 wieder nach Prag zurück. Dort wurde er zur Unperson und als "Salon-Kommunist" abqualifiziert.
Adolf Hoffmeister starb in innerer Emigration am 24. Juli 1973 in Øíèky.